Ein Gespenst geht um in Deutschland: der
Abmahnwahn!
Nein, ich werde jetzt nicht im Detail darauf eingehen, ob es nach der neuen EU-Textilverordnung sinnvoll ist, dass ich meine Merino-Extrafein nur noch als 100% Wolle bezeichnen darf, genauso wie meine schönes Bluefaced Leicester jetzt eben auch nur noch Wolle ist. Über die Hintergründe dieser Vorgaben haben schon mehrere Leute ausführlich in ihren Blogs geschrieben, u.a.
Tina Hees oder
Frau Wo aus Po
Was mich an der Geschichte aber wirklich ankotzt, ist dass (mal wieder) jemand aus der Branche die Gelegenheit genutzt hat, Kollegen oder Konkurrenten das Leben unnötig schwer zu machen. Jemand (und ich hofffe sehr, dass irgendwann raus kommt, wer es war) hat dafür gesorgt, dass (mindestens) 34 Wollhändler eine Abmahnung wegen falscher Bezeichnung ihrer Produkte bekommen haben. Dieser Jemand hat dafür gesorgt, dass jetzt landauf landab zig HandfärberInnen und WollhändlerInnen damit beschäftig sind, Angebote in ihren Online-Shops und Banderolen zu ändern. Und wer hat was davon? Ganz sicher die Anwälte, die jetzt tätig werden müssen und dafür Geld kassieren. Die Käufer? Sind die wirklich besser informiert, wenn sie sich die genauen Angaben über die Zusammensetzung der Wolle erst in der Artikelbeschreibung suchen müssen (Wolle ist eben nicht gleich Wolle)?
Ich persönlich habe meinen Shop für einige Tage stilllegen müssen, um alles zu überarbeiten, und bin auch jetzt noch nicht damit fertig, so dass zur Zeit nur ein Teil meiner Stränge zum Verkauf stehen.
Ein gutes hat die ganze Affäre allerdings: Es hat sich gezeigt, dass die"Wolldealergemeinde", wenn es nötig ist, an einem (Woll-)Strang zieht und sich gemeinsam Lösungen und Strategien überlegt. In diesem Sinn: Venceremos - gemeinsam sind wir stark!

Lakeside - 12. Mai, 08:39